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Internationale Umwelttage - Bright Minds For a Better World


Vom 12. bis 15.04.2007 in der Aula der Universität Freiburg (Kollegiengebäude I)

„Bright minds for a better world“ – helle Köpfe für eine bessere Welt: Worauf ließe sich das Jubiläums-Motto der Universität besser anwenden als auf die gefährdete Umwelt? Ganze vier Tage waren ihr denn auch gewidmet bei den Internationalen Umwelttagen vom 12. bis zum 15. April, mit denen die Albert-Ludwigs-Universität den Reigen ihrer Jubiläumsfeierlichkeiten einleitete.

Fast alle Fakultäten befassen sich in Forschung und Lehre mit dem Thema, auch die Sozial- und Geisteswissenschaften, wie Rektor Wolfgang Jäger zur Eröffnung der Umwelttage vor mehr als 300 ausländischen Studierenden aus ganz Baden-Württemberg betonte. Sie waren auf Einladung von Umweltministerin Tanja Gönner zum dritten internationalen Umwelttag des Ministeriums nach Freiburg gekommen und konnten eine Menge Anregungen mit nach Hause nehmen. Zumal in der Öko-Hauptstadt nach Aussagen ihres Oberbürgermeisters Dieter Salomon „die Umwelt schon seit mehr als 30 Jahren auf der Tagesordnung steht.“ Das kostet offenbar nicht nur Geld. In Freiburg gilt die Umweltwirtschaft inzwischen sogar als die größte Wachstumsbranche. An Arbeitsplätzen für den öko-interessierten Nachwuchs dürfte es nach Einschätzung der Experten nicht mangeln.



Fotos: Buhl

Exzellenz im Umweltschutz

Dass der wirtschaftliche Erfolg einer Region eng gekoppelt ist mit der Forschung an den Hochschulen, machte Karlhubert Dischinger deutlich. Der Präsident der Industrie- und Handelskammer (IHK) Südlicher Oberrhein lobte das seit Jahrzehnten „ausgesprochen gute Verhältnis“ von Universität und Wirtschaft. Aber „die wissenschaftlichen Erkenntnisse müssen auch bei kleineren und mittleren Unternehmen ankommen“, verwies der Speditionsunternehmer auf die Notwendigkeit des Technologietransfers, für den sich die IHK in die Pflicht nehmen lässt. Mit der immer bedeutsamer werdenden „nachhaltigen Energieerzeugung aus Biomasse“ etwa kennt sich Professor Gero Becker vom Institut für Forstbenutzung und Arbeitswissenschaften bestens aus. Die Wissenschaftler erkunden und analysieren derzeit die regionalen Potenziale der verfügbaren Biomasse und kartografieren sie. „Das kann als Grundlage dienen für rationale Investitionsentscheidungen.“ „Exzellenz im Umweltschutz“ bescheinigt Professor Franz Daschner, Präsident des Jubiläumskomitees und einer der drei Freiburger Umweltpreisträger, der Universität selbst. Mit der „Solar-Uni Freiburg“, dem „bundesweit einzigen Projekt dieser Art“, wollen er und einige Mitstreiter den mehr als 20 000 Studierenden „mit gutem Beispiel vorangehen“. Dazu gehören das mit 550 kWp Leistung größte Solardächerprogramm des Landes auf Freiburger Universitätsgebäuden sowie – gemeinsam mit anderen Trägern - die Gründung eines Zentrums für Erneuerbare Energien, an dem sich sieben der elf Fakultäten der Universität beteiligen. Es soll mit einem Stiftungslehrstuhl ausgestattet werden und einen internationalen Studiengang „Renewable Energy Management“ entwickeln.

Engagement für die nachhaltige Universität

An der „nachhaltigen Universität“ wird von einem Arbeitskreis der Hochschule schon länger gearbeitet mit einer Gebrauchtwaren- und Chemikalienbörse etwa und vielen anderen praktischen Ideen. Regional handeln allein kann die Welt freilich vor dem ökologischen Kollaps nicht bewahren. „Die derzeit zentralen Herausforderungen in der Umweltpolitik haben eine Dimension, die über die Grenzen einzelner Länder hinausreicht“, sagte Umweltministerin Tanja Gönner und nannte nicht nur den Klimaschutz. Sorgen bereiten ihr außerdem der dynamisch wachsende Verbrauch an Rohstoffen und anderer natürlicher Ressourcen wie Boden und Wasser. „Die drängenden Fragen einer nachhaltigen Entwicklung müssen global angegangen werden“, forderte sie und war sich darin einig mit Klaus Töpfer. Der frühere Bundesumweltminister hatte als Direktor des UN-Umweltprogramms acht Jahre lang die Gelegenheit, sich einen globalen Blick auf die Welt anzueignen. „Eine Globalisierung der Kosten für Umweltschäden und eine Regionalisierung der Vorteile“ sind ihm dabei aufgefallen. „Die Armen dürfen nicht die Kosten des Wohlstands tragen“, sagte er am Eröffnungstag. Er mahnte die Industriestaaten, die Führerschaft beim Umweltschutz zu übernehmen und nicht länger andere den Preis für die von ihnen verursachten Umweltschäden zahlen zu lassen. „Das ist keine Entwicklungshilfe, sondern ein fairer Preisausgleich.“ Er zahle sich aus als „Friedensdividende“. Einen globalen Blick auf die Erde hat im wahrsten Sinn des Wortes auch der deutsche Wissenschaftsastronaut Ulf Merbold geworfen. Bei seiner Diaschau schwärmte er von seinen Reisen ins All: „Es gibt kaum etwas Faszinierenderes als in 90 Minuten um den Erdball zu reisen und diesen hinreißend schönen Planeten aus der Distanz zu sehen.“ Merbolds Bilder zeigten, was ihn bedroht: „Ich war schockiert, wie zerbrechlich die schützende Lufthülle ist, die uns umgibt.“ Die Wissenschaft hat nach Ansicht des Physikers ihre Hausaufgaben gemacht. „Jetzt sind die Politiker gefordert, ihre Erkenntnisse umzusetzen.“

Umwelt wird ernst genommen

Am zweiten Tag lud die Industrie- und Handelskammer zum regionalen Umweltsymposium ein mit Vorträgen zu Umwelt und Wirtschaft sowie zu Exkursionen in das Freiburger Umland zum Schwerpunkt nachhaltiges Planen und Wirtschaften. Prorektor Karl-Reinhard Volz betonte in seiner Begrüßung, dass im Unterschied zu den früheren „Ökowellen“ die Bedeutung der Umwelt – endlich – in der Gesellschaft und in der Politik ernst genommen werde. Prof. Dr. Gero Becker vom Institut für Forstbenutzung und Forstliche Arbeitswissenschaft stellte in seinem Vortrag Möglichkeiten vor, wie der Anteil erneuerbarer Energien unter dem Schlagwort "Nachhaltige Energieversorgung" erhöht werden könne. Sein Augenmerk richtete er dabei auf die dominierende Rolle der Biomasse Holz, die flächendeckend verfügbar sei, und zeigte die Vor- und Nachteile von deren Verwendung auf.

Natürliche Ressourcen im Vordergrund

Prof. Dr. Heinz Rennenberg, Dekan der Forst- und Umweltwissenschaften, betonte in seiner Rede die wichtige Zusammenarbeit von universitären und außeruniversitären Forschungseinrichtungen. Dabei stehe vor allem inhaltlich die nachhaltige Nutzung und Entwicklung natürlicher Ressourcen im Vordergrund, womit sich die Universität den zentralen Zukunftsproblemen der Gesellschaft stelle. Eine der Exkursionen führte die Teilnehmerinnen und Teilnehmer in die Wälder vor den Toren Freiburgs, konkret in den Wald oberhalb von Buchenbach über den Holzwerken Dold. Nach der sachgerechten Einführung in die naturnahe Baumartenpflege des Bergmischwaldes sahen die Besucher, wie die riesigen Stämme in der Säge aufgegriffen und verarbeitet werden. „Es war eindrucksvoll, mit welcher Präzision und wie schnell die Baumstämme zu transportierbaren Brettern verarbeitet wurden.“, sagt Katja Kraft vom International Office der Universität, die als Begleiterin dabei war. Beim anschließenden Besuch im Pelletierwerk waren die Holzreste schon zu kleinen Pellets verarbeitet worden.

Der dritte Tag der Internationalen Umwelttage

Am Samstag wurden die Umwelttage noch internationaler: Redner aus aller Welt gestalteten den dritten Tag der Konferenz mit abwechslungsreichen Vorträgen in englischer Sprache. Der Rektor Prof. Dr. Wolfgang Jäger betonte in seiner Eingangsrede die Internationalität der Albert-Ludwigs-Universität, die sich sehr gut in dem Masterstudiengang Environmental Governance widerspiegele. Der Abschlussjahrgang dieses Studienganges mit Studierenden aus siebzehn Ländern der Welt war es auch, der den Konferenztag eigenständig organisiert und gestaltet hatte.

Hauptredner des dritten Tages war der argentinische Botschafter Raúl Estrada-Oyuela, der „godfather“ des Kyoto Protokolls. Er stellte in seiner Rede die Bedingungen und Aufgaben der diplomatischen Arbeit im Bereich der Umweltpolitik vor. Neben persönlichen Erfahrungsberichten zeigte er konkrete Möglichkeiten auf, wie Diplomaten beim Thema Umwelt eine Führungsrolle übernehmen könnten und sollten. Die indische Trägerin des alternativen Nobelpreises, Vandana Shiva, begann als Quantenphysikerin und erhielt internationale Anerkennung als Umweltschützerin und Bürgerrechtlerin. In ihrem Vortrag schilderte sie, wie sie Frauen auf dem Lande unterstützte, die sich für den Umweltschutz einsetzten und wie sie erkannte, welche mögliche politische Kraft in Bürgerrechtsbewegungen steckte. Ihre Rolle als Führungspersönlichkeit verband sie mit der Aufgabe, nicht zu resignieren, sondern nach Lösungen zu suchen und die zuschauenden Mitmenschen „von den Zäunen“ zu holen.

„Leadership“ im internationalen Verständnis

Im Anschluss an diese Rede wurde eine Posterausstellung des Abschlussjahrgangs eröffnet. Die Studierenden stellten in Porträts verschiedene Persönlichkeiten vor, die in den jeweiligen Heimatländern wichtigen Einfluss auf die Umwelt und Umweltpolitik nehmen. So konnte gut veranschaulicht werden, wie der Begriff „Leadership“ verstanden und verkörpert wird. Robin Hillestad, eine amerikanische Studentin des Studienganges Environmental Governance, definierte in ihrem Vortrag, wie sie und ihre Kommilitonen ihre Rolle als Vorbilder und Vermittler in der Umweltpolitik nach ihrem Studienabschluss sehen: „Leadership“ ist ihrer Meinung nach nicht nur mit der Verantwortung eines Individuums zu sehen, sondern vielmehr sind Nationen und Politik die stärksten Vorbilder beim Thema Umwelt. Vermittler mit individuellen Ideen, wie es die Studierenden sind, müssen sich aktiv in das politische Geschehen einbringen. Nur im Kontext mit der Kultur und der sozialen Situation der jeweiligen Länder können für die Zukunft wichtige Fortschritte in der Umweltpolitik erreicht werden.



Downloads:

1.Tag (12.04.2007) "Blicke auf die Erde"
Flyer

2.Tag (13.04.2007) "Ecosphere - Eine Wirtschaftsregion denkt weiter"  
Flyer

3. und 4.Tag (14. und 15.04.2007) "Freiburg Forum on Environmental Governance 2007"
Flyer



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Wir danken dem Projektpartner:

Auma

sowie unseren Alumni und Alumnae:

Henkel KGaA Germany, Jörg Pape; Ernst Schuhmacher, Hilzingen; Franz und Anneliese Berding, Münster; Dr. Hugo Menze, Freudenstadt; Dr. Ulla Schach, Essen; Christian F.G. Mölbert, Bühl; Dr. Vera und Karl Schirner, Freiburg; Ruth Seywald, Freiburg; Dr. jur. Manfred Beker, Heilbronn; Ingeborg Baldus, Montabaur; Dr. Ulrich Hagemann, Dorsten; Dirk Tröndle, Gundelfingen; Doris Kattner, Bad Säckingen; Dr. Sebastian Leib, Augsburg; Dr. Martin Zuefle, Freiburg; Josef Seiler, March; Dr.Dr. Anja Kammer, Stuttgart; Dr. Hartmut Wiegers, Münster; Prof. Wolfgang und Dr. Sybille Boesken, Trier; Antonia Heizmann, Karlsruhe; Michael Buhlmann, Friedrichsdorf; Dieter Hof, Heidelberg; Dr. Dorothea Alles, Schliengen; Uwe Reifert, Waldbröl; Dr. Hiromi Ishibashi, Bad Homburg; Franz-Josef Wehnes, Essen; Dr. Ruth Weyland, Freiburg; Dr. Paul Wasmer Sigmaringen

für die finanzielle Unterstützung des "Freiburg Forum on Environmental Governance 2007".


Pressemitteilung:
28.03.2007 — Internationale Umwelttage an der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg vom 12. bis 15. April - Vier volle Tage für die Umwelt


Kontakt:
Wibke Walter
Albert-Ludwigs-Universität Freiburg
Stabsstelle Jubiläum
D-79085 Freiburg
Tel.: + 49 (0) 761 - 203 9650
Fax: + 49 (0) 761 - 203 9652
E-Mail: walter(-at-)hsf.uni-freiburg.de

 



zuletzt verändert: 13.02.2008
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